Käthe von Ostrowski nach der Vorführung eines von ihr geschriebenen Theaterstücks

Persönlichkeiten aus Trutzhains Geschichte

Käthe von Ostrowski

Verfasserin des Gedichts „Trutzhain“

Käthe von Ostrowski hielt in ihrem Gedicht „Trutzhain“ den tiefgreifenden Wandel des Ortes fest. Ihre Verse führen vom Kriegsgefangenenlager über Befreiung, Not und Vertreibung bis zum Aufbau einer neuen Heimat. Damit verbindet das Gedicht persönliche Anteilnahme mit einem eindringlichen Zeugnis der frühen Geschichte Trutzhains.

Das Gedicht als Video

Die filmische Fassung macht das Gedicht hörbar und verbindet seine Worte mit Bildern aus der Geschichte Trutzhains.

Darstellung zu Käthe von Ostrowski und dem Gedicht „Trutzhain“. Das Bild ist gerahmt und kann per Klick vergrößert werden.

Im Anschluss ist das Gedicht vollständig und in seiner ursprünglichen deutschen Fassung wiedergegeben. Über die globale Sprachumschaltung stehen zusätzlich Übersetzungen zur Verfügung.

Ein Gedicht über Krieg, Vertreibung und Neubeginn

Trutzhain

von Käthe von Ostrowski

Man baute es inmitten junger Saatenfelder,
Baracke reiht gedrückt sich an Baracke an,
Es liegt geschmiegt am Rand der immergrünen Wälder,
doch wer es sah, den packte leis das Schauern an.

Mit Stacheldraht hat man es hoch und dicht umgeben,
und Türme, die im Ernstfall Feuergarben speien.
In ihm verlor so mancher Mensch den Mut zum Leben,
manch junges Blut ward blaß und mußte jäh verbleichen.

Kolonne um Kolonne schritt durch seine Tore,
gebrochene Männer waren es an Leib und Seel,
den Schlachtendonner der Geschütze noch im Ohre,
in den gezogen sie auf ihres Landes Befehl.

So diente es allhier, wie viele seinesgleichen,
in jedem andern Land dem harten, bösen Krieg.
Die Trän entquoll dem Aug des Armen und des Reichen,
ein jeder hoffend auf des eignen Landes Sieg.

Da brach das deutsche Land geschwächt in sich zusammen,
und Trutzhains Tore öffneten sogleich sich weit.
Die Männer der Nationen, die in ihm gefangen,
stürmten sogleich hinaus und riefen laut: „Befreit!“

Doch auf den Straßen mußten ihnen entgegen wandern
die eigenen Söhne wankend müde durch sein Tor.
Auf Trutzhains Türmen hielten Wache nun die andern,
und Tränen quollen heiß aus deutschem Aug hervor.

Mit diesen Scharen schritt unsichtbar durch die Türe
der Schnitter, der zur Ernte hier auch war bereit.
Denn Trutzhain trug Vergeltung, Haß in dem Paniere,
das lehrte beten viele Menschen in der Zeit.

Der Sinn ward milder und der Schuld begann zu blassen,
die ernste Prüfung unsrer Söhne ging vorbei.
Die Menschen beteten, sie hörten auf zu hassen,
die Türme sanken, und die Gefangenen waren frei.

Sie zogen heimwärts, heimatlos durch Rauch und Trümmer,
und Trutzhain war nun leer, in ihm blieb nur das Grauen.
Da kam der Flüchtlingsstrom, es ward zum Hoffnungsschimmer,
sie zogen her zu ihm und fingen an zu bauen.

Sie bauten still in der Baracke kahlen Wänden,
an denen mancher Schmerz und Klageschrei verbrach,
sich eine Heimstatt auf mit ihren leeren Händen,
und Arbeitsstätten unter schwerem Weh und Ach.

Auf diesem Grund, in dem einst bittere Tränen flossen,
der Haß, Vergeltung, Qual und Schmerz in seinem Schild,
da bauten sie, die Heimatlosen unverdrossen,
da trugen Priester her das Kreuz und das Marienbild.

Und Lehrer walten hier nun der gegebenen Pflichten
an Flüchtlingskindern, die der Bettlerkinder gleich.
Für die ein Wort nur gilt, das harte Wort „Verzichten“,
die lernen wollen und nun treten hin vor Euch.

Helft, daß sich öffnet auch der reiche Schatz der Lehren
für die hier, daß ihr Geist sich bildet und erhellt.
Auf daß sie kraftvoll wissend sich bewähren,
im Frieden einst zum Wohl des Volkes und der Welt.

Sie wollen wachsen gleich dem Halmkeim junger Saaten,
sie stehn vor Euch gleich einem Kind im Taufgewand,
das hilflos eine Stütze braucht, den treuen Paten,
und bitten Euch, daß Ihr es werden mögt im fernen Land.

Das Mal der Kriegsnot auf den jungen Stirnen tragend,
die zarten Kinderherzen arm und leidgefüllt,
so stehn sie hoffend vor Euch, bittend, doch nicht klagend
und beten auch für Euch vorm Kreuz und vorm Marienbild.

Käthe von Ostrowski Trutzhain