Persönlichkeiten aus Trutzhains Geschichte

Abbé Pierre Dentin

Der französische Priester war während des Zweiten Weltkriegs Gefangener im STALAG IX A. Später kehrte er nach Trutzhain zurück und wurde zu einer treibenden Kraft der Versöhnung zwischen ehemaligen Kriegsgegnern.

Priester, ehemaliger Gefangener und Brückenbauer

Abbé Pierre Dentin wurde am 12. August 1911 in Bourseville in Frankreich geboren und starb am 9. Mai 2000. Sein Leben war auf besondere Weise mit Trutzhain verbunden: zunächst als französischer Kriegsgefangener und Vertrauensmann im STALAG IX A, später als einer der wichtigsten Initiatoren der deutsch-französischen Aussöhnung und des „Museums für den Frieden“.

Lebensdaten 1911–2000
Im Lager Katholischer Priester, Kriegsgefangener und Vertrauensmann
Auszeichnungen Bundesverdienstkreuz und Ritter der französischen Ehrenlegion

Priester und Vertrauensmann im STALAG IX A

Pierre Dentin war seit dem 29. Juni 1936 Priester in seiner Heimatgemeinde Bourseville. 1940 geriet er als katholischer Geistlicher in deutsche Kriegsgefangenschaft und kam in das STALAG IX A. Seine Mitgefangenen wählten ihn zum Vertrauensmann. In dieser Funktion setzte er sich gegenüber der Lagerkommandantur für ihre Belange ein und übernahm zugleich eine wichtige seelsorgerische Aufgabe.

Kirchliche Aufgaben nach dem Krieg

Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft setzte Dentin seine kirchliche Laufbahn in Frankreich fort. Von 1948 bis 1955 war er Geistlicher am Gymnasium von Amiens. Anschließend leitete er von 1955 bis 1962 als Superior das Priesterseminar. Von 1963 bis 1982 wirkte er als Studentengeistlicher.

Der Beginn der Versöhnung 1970

1970 nahm Abbé Pierre Dentin Kontakt zur Kyffhäuserkameradschaft Trutzhain auf. In der Maria-Hilf-Kirche reichten sich ehemalige Kriegsgegner erstmals die Hände. Gemeinsam mit Horst Munk entwickelte er daraus eine über Jahrzehnte währende Aussöhnungsarbeit. Mehr als zehn Besuche ehemaliger französischer Gefangener in Trutzhain und ebenso viele Gegenbesuche in Frankreich wurden organisiert.

„Anciens du Stalag IX A“ und das Friedensmuseum

Dentin gründete in Frankreich die Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener „Anciens du Stalag IX A“. Er gehörte außerdem zu den Mitbegründern des „Museums für den Frieden“, das er am 17. Juni 1983 einweihte. In Frankreich sammelte er Ausstellungsstücke und Spenden für das Museum sowie für die Restaurierung der Gedenkstätte auf dem Trutzhainer Gemeindefriedhof. Selbst der damalige französische Staatspräsident François Mitterrand beteiligte sich mit einer Geldspende.

Auszeichnungen und schriftstellerisches Wirken

Für seine Verdienste um die Aussöhnung ehemaliger Kriegsgegner erhielt Abbé Pierre Dentin 1986 das Bundesverdienstkreuz. In Frankreich wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Darüber hinaus veröffentlichte er mehrere kirchengeschichtliche und theologische Bücher und trat damit auch als Schriftsteller hervor.

Abbé Pierre Dentin verwandelte die Erinnerung an Gefangenschaft nicht in Verbitterung, sondern in Begegnung, Freundschaft und Versöhnung. Darin liegt seine besondere Bedeutung für Trutzhain.
Quellengrundlage: „Trutzhain – Chronik 1951–2001“, insbesondere der biografische Abschnitt „Abbé Pierre Dentin“, sowie die Darstellung der deutsch-französischen Aussöhnung und des „Museums für den Frieden“.

Haben Sie weitere Fotografien, Dokumente oder persönliche Erinnerungen zu Abbé Pierre Dentin? Sachliche Ergänzungen und Korrekturen sind ausdrücklich willkommen.