Station 1 von 12

Ein Ort mit mehreren historischen Schichten

Von Trutishain zum Lager

1224–1948

Die Geschichte Trutzhains beginnt lange vor der Entstehung des heutigen Ortes. Bereits im Mittelalter befand sich in dieser Gegend eine kleine Siedlung mit dem Namen Trutishain.

Der Name ist erstmals für das Jahr 1224 überliefert. Vermutlich bestand die Siedlung nur aus wenigen Höfen und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Menschen lebten von Ackerbau, Viehzucht und den Erträgen der umliegenden Landschaft.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde Trutishain aufgegeben. Weshalb die Bewohner den Ort verließen, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Krankheiten, kriegerische Ereignisse oder Veränderungen der Siedlungsstruktur könnten eine Rolle gespielt haben.

Ein verlassener und später verschwundener Ort wird als Wüstung bezeichnet. Die Gebäude verfielen, Wege verschwanden und die Natur eroberte die ehemals bewohnte Fläche zurück. Der Name Trutishain blieb jedoch mit der Landschaft verbunden und wurde über viele Jahrhunderte weitergegeben.

Viele Jahrhunderte später erhielt das Gebiet eine völlig neue und belastende Bedeutung. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstand hier das Kriegsgefangenenlager STALAG IX A Ziegenhain.

Ab 1939 wurden Gefangene aus zahlreichen europäischen Ländern und später auch aus weiteren Teilen der Welt hier festgehalten. Das Lager war Teil des nationalsozialistischen Kriegs- und Zwangssystems.

Die Gefangenen lebten unter schwierigen Bedingungen. Enge, Hunger, Krankheiten, unzureichende Versorgung und die Trennung von ihren Familien bestimmten ihren Alltag. Viele Gefangene wurden vom Lager aus zu Arbeitskommandos in der Region gebracht.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 änderte sich die Nutzung des Geländes mehrfach. Zunächst richtete die amerikanische Militärverwaltung hier ein Internierungslager ein.

Später wurde das ehemalige Lager zeitweise zur Unterbringung jüdischer Displaced Persons genutzt. Ab 1948 wurden zunehmend Flüchtlinge und Heimatvertriebene in den vorhandenen Baracken untergebracht.

Damit begann ein grundlegender Wandel: Aus einem Ort der Gefangenschaft und des Übergangs entwickelte sich Schritt für Schritt eine neue Siedlung.

Als aus der Flüchtlingssiedlung am 1. April 1951 eine selbstständige Gemeinde wurde, erinnerte man sich an die mittelalterliche Wüstung Trutishain. Der neue Ort erhielt den Namen Trutzhain.