Die evangelische Kirche in Trutzhain
Die Kirchen spielten beim Aufbau Trutzhains eine zentrale Rolle. Neben der katholischen Gemeinde gab auch die evangelische Kirche den Menschen Halt, Gemeinschaft und Orientierung. Seit 1957 ist ihr Gotteshaus ein sichtbares Zeichen des Neubeginns.
Vom Provisorium zum eigenen Gotteshaus
Eine Kirche für einen neu entstandenen Ort
Trutzhain entstand nach 1945 in den Gebäuden des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. In dieser schwierigen Aufbauzeit waren die katholische und die evangelische Kirche wichtige Stützen des neuen Ortes. Die evangelische Gemeinde nutzte zunächst die von französischen Kriegsgefangenen errichtete Lagerkirche an der Hauptstraße.
Die Lagerkirche als erster Mittelpunkt
In den ersten Nachkriegsjahren fehlten in Trutzhain nahezu alle festen Einrichtungen. Gottesdienste, Schule, Verwaltung und gemeinschaftliches Leben fanden in umgenutzten Lagergebäuden statt. Für die evangelischen Christen wurde die ehemalige Lagerkirche an der Hauptstraße zum geistlichen Mittelpunkt.
Das Gebäude war während der Kriegsgefangenenzeit von französischen Gefangenen geschaffen worden. Bis 1957 versammelte sich dort die wachsende evangelische Gemeinde. Die Lagerkirche verband damit zwei sehr unterschiedliche Kapitel der Ortsgeschichte: Gefangenschaft und Krieg auf der einen, Flucht, Vertreibung und Neubeginn auf der anderen Seite.
Mit dem schnellen Wachstum des Ortes reichte das Provisorium bald nicht mehr aus. 1955 lebten bereits rund 610 Menschen in Trutzhain; evangelische und katholische Einwohner waren zahlenmäßig ungefähr gleich stark vertreten.
Bilder der Kirchengeschichte
Von der Grundsteinlegung bis heute
Historische und aktuelle Aufnahmen zeigen den Weg von der Grundsteinlegung bis zur evangelischen Kirche von heute.
Geschichte hören und sehen
Audio und Video
Der Audiobeitrag erzählt von der evangelischen Kirche, ihrer Vorgeschichte und ihrer Bedeutung für Trutzhain.
Audiobeitrag zur evangelischen Kirche
Vom Provisorium der Lagerkirche bis zum eigenen Gotteshaus – eine kurze Hörgeschichte über Glauben, Neubeginn und Gemeinschaft.
Das Video wird später an dieser Stelle eingebunden.
Schlichtheit mit historischem Bezug
Architektur und Ausstattung
Die Kirche ist kein monumentaler Bau. Gerade ihre zurückhaltende Form macht sichtbar, aus welchen bescheidenen Verhältnissen der Ort hervorgegangen ist.
Eine Kirche im Maßstab des Ortes
Das Gebäude wurde am damals höchsten Punkt des bebauten Trutzhainer Gebietes errichtet. Seine klare, freundliche Gestaltung nimmt Rücksicht auf die niedrige Baracken- und Siedlungsbebauung des Ortes.
Anstelle eines massiven Kirchturms trägt das Dach einen Dachreiter, der als Glockenstube dient. Dadurch bleibt die Kirche zurückhaltend und fügt sich in das Ortsbild ein, ohne ihre besondere Funktion zu verbergen.
Die Chronik nennt für die Kirche rund 160 Plätze. Mehrere Renovierungen und spätere Veränderungen – darunter neue Fenster, eine veränderte Bestuhlung und eine neue Altargestaltung – passten den Raum an die Bedürfnisse der Gemeinde an.
Kunst und Glaubenszeichen
Im Innenraum fällt der Wandbehang „Himmelsleiter“ der Künstlerin Hakansson ins Auge. Er setzt einen modernen künstlerischen Akzent im ansonsten bewusst schlicht gehaltenen Kirchenraum.
Vor der Kirche befindet sich eine Station des Pilgerwegs „Katechismus auf dem Weg“. Das von der Bildhauerin Tine Fiand geschaffene Kunstwerk zum Thema der Zehn Gebote zeigt drei Menschen unterschiedlichen Alters aus drei Kontinenten. Es erinnert daran, dass die Gebote nicht auf eine Herkunft oder Generation begrenzt sind.
Mehr als ein Kirchengebäude
Gemeinde, Begegnung und Ökumene
Die evangelische Kirche wurde zu einem Ort, an dem der neue Ort gesellschaftlich und geistlich zusammenwuchs.
Hilfe beim Aufbau
Der Kirchenbau gelang nur durch Unterstützung. Die zweite Glocke wurde durch Spenden ermöglicht. Nachbargemeinden stifteten Kirchenbänke, und eine Bäuerin aus Steina gab Leinen für ein Altartuch.
Lebendige Gemeindearbeit
Frauenkreis, Jungschar, Singkreis, Advents- und Altennachmittage, Gemeindefahrten und der Weltgebetstag schufen über Jahrzehnte hinweg Möglichkeiten für Begegnung und Mitarbeit.
Gewachsene Ökumene
Das Zusammenleben evangelischer und katholischer Menschen war anfangs nicht konfliktfrei. Gemeinsamer Heimatverlust, Nachbarschaft, konfessionsverschiedene Ehen und gemeinsames Engagement ließen jedoch eine tragfähige Ökumene wachsen.
Aufbau in kleinen Schritten
Stationen der Kirchengeschichte
Die Geschichte des Gotteshauses ist eng mit Eigeninitiative, Spendenbereitschaft und dem Zusammenwachsen der Gemeinde verbunden.
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1945–1954
Gottesdienste in der Lagerkirche
Die ehemalige Lagerkirche an der Hauptstraße dient bis zum Neubau als Gottesdienstraum der evangelischen Gemeinde.
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28.8.1954
Grundsteinlegung
Am 28. August 1954 wird an der Breslauer-/Sudetenstraße der Grundstein für die neue Kirche gelegt.
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1957
Einweihung der neuen Kirche
Am 2. Juni 1957 weiht Prälat Erich Vellmer die neue Kirche ein. Zwei Glocken erklingen.
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1961
Orgel und Taufstein
Orgel und Taufstein ergänzen 1961 die liturgische Ausstattung.
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1964
Gemeindehaus und Begegnung
Mit dem Gemeindehaus entsteht 1964 zusätzlicher Raum für Gruppen und Gemeindearbeit.
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ab 1975
Ökumene und neue Gemeindearbeit
Ab 1975 wird die ökumenische Zusammenarbeit unter Pfarrer Horst Gesellensetter weiter intensiviert.
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Heute
Offene Kirche und Erinnerungsort
Heute gehört die Kirche zur Evangelischen Kirchengemeinde Steinatal und ist offene Kirche sowie Station am Pilgerweg „Katechismus auf dem Weg“.
Grundlagen der Darstellung
